[Styler] Black IPA: eine Gegenüberstellung

27.11.2020

Ich lege den unsäglichen Blakkk Friday auf eine für mich erträgliche Weise aus. Das Black Shark von Camba gehört zu den wenigen verbliebenen Vertretern der Black IPAs, die man heute – etwas verschreckt – eigentlich auch nur noch als Cascadian Dark Ale findet. Schade, finde ich.

fact sheet

Camba Bavaria – Black Shark
Bierstil:
 Imperial Black IPA
IBUs (Bittereinheiten): 120 (!)

Alkoholgehalt: 8,5% vol
Gärung: obergärig
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Chinook , Centennial
), Hefe

vs

Martisan – Blackaliscious
Bierstil:
 Cascadian Dark Ale DDH
IBUs (Bittereinheiten): 60
Alkoholgehalt: 6,8% vol
Gärung: obergärig
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Roggen, Hopfen (Bravo, Lemondrop, Ariana), Hefe

Black Shark vs. Blackalicious

Paradoxie in Schwarz

Natürlich ist ein schwarzes, helles (pale) Bier erstmal absurd.
Aber es geht hier ja erstmal nur um die Referenz IPA, das als Monolith wie kein anderer Stil für hopfenbetonte Biere steht – und im Grunde auch immer noch für die gesamte Craft Beer-Bewegung.
Alternativ: Cascadian Dark Ale. Benannt nach dem amerikanischen Hopfenmekka im pazifischen Nordwesten. Die Großregion um Washington, Oregon und Idaho produziert etwa 95% der Gesamtmenge an Hopfen der USA – als mittlerweile größter Hopfenproduzent der Welt. Auch diese Entwicklung spiegelt die Entwicklung des Marktes. Was die Absatzzahlen angeht, bewegt sich der Craft Beer-Anteil am Markt global immer noch im einstelligen Bereich, und bleibt damit marginal. Das sieht aber anders aus, schaut man sich den Hopfeneinsatz an: ein knappes Viertel der Hopfenproduktion geht mittlerweile durch die Hände von Klein- und Kleinstbrauer*innen. Einfach aufgrund der Tatsache, dass ein New England Style Triple IPA einfach mal die zehnfache Menge von Hopfen frisst, stellt man ein nur leicht gehopftes traditionelles Bier wie Helles oder Weizen daneben.

DAS IPA als Zerrbild der Stilentwicklung

Dabei hat das IPA bis zum heutigen höher, schneller, weiter, einige Entwicklungen durchlaufen, in denen nahezu alle denkbaren Farbbetonungen, Malzschwerpunkte oder sonstige Spielereien eine Rolle spielten. Vom Red und Black zum Dry IPA, über das Rye (Roggen) IPA bis hin zu Milkshake (mit Laktose und häufig Frucht), den heute allgegenwärtien New England IPAs und sogar Sour IPAs. Allein das Konzept soweit dehnen zu müssen, dass nahezu jede Stilistik hinein passt, solange der Hopfen ausreichend zur Geltung kommt, zeigt, wie zentral das IPA für die Szene auch heute noch ist. Viele Eskapaden auf diesem Weg sind abhanden gekommen. Darunter ein Stil, bei dem ich den dunklen Verdacht hege, dass es weniger mit der Nachfrage als mit der paradoxen Nomenklatur zu tun hat. Denn ein Black India Pale Ale leuchtet einfach nicht ein, wenn man es mit der Bedeutung der Worte allzu ernst nimmt, was ich für gewöhnlich tue. Gleichzeitig leuchtet mir die Idee sofort ein, sodass ich hier prinzipiell bereit wäre, um der lieben Verfügbarkeit Willen Konzessionen zu machen.

If I told you that a flower bloomed in a dark room, would you trust it?

Kendrick Lamar

Kaufbier vs Homebrew

Weil mir das high peak-Aromenspektakel zwischen schlanken Röstaromen und Hopfensättigung extrem gut gefällt, und es aber fast niemand mehr produziert, musste ich es am Ende halt selbst machen. Im direkten Duell hier also mein Blackalicious (eine meiner Lieblings-Rapcrews…) mit 6,8%vol und den Hopfen Bravo, Lemondrop und Ariana. Letzerer vor allem als dry hopping-Gabe. Tolle Zitrus- und florale Noten (Geraniol!) recht trocken und mit einer knackigen und anhaltenden Bittere von Hopfen und Röstmalz. Für den ersten Schuss bin ich sehr zufrieden.
Das Black Shark dagegen kommt als „Imperial Black IPA“ trotz seiner 8,5%vol. viel braver daher. Es hat erwarteterweise mehr Körper, ist aber auch malziger, schokoladiger als mein Blackalicious. Durch die Restsüße sind Alkohol und Bittere (120 IBUs?!) aber gut eingebunden. Mit Herkules zum Bittern und Chinook und Centennial als Flavor-Hopfen kommen hier eher klassische Vertreter (also 90er bzw 00er-Jahre-C-Promis) zum Einsatz, und die süßlichen und zitralen Aromen stechen auch nicht ganz so stark hervor. Wo mein Bier etwas zu viel Kohlensäure hat (hop creep…), könnte das Black Shark noch etwas vertragen, um etwas lebendiger herüber zu kommen. Wer die Gelegenheit hat, es mal vom Fass zu probieren, sollte das unbedingt tun – ich finde es hier um Längen besser. Fast wie ein Nitrobier. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden…



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